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Radfahrer-ABC

Was Radfahrer im Straßenverkehr beachten sollten

Radfahren ist nicht immer gesund: Im Jahr 2004 ereigneten sich ca. 74.000 Fahrradunfälle. In über 40 % aller Fälle waren die Radfahrer schuld. An den meisten Unfällen von Radfahrern waren PKW beteiligt. Deshalb ist das Risiko, beim Radfahren verletzt zu werden, besonders hoch. Nicht nur Autofahrer, sondern auch Radfahrer sollten wissen, wie sie sich im Straßenverkehr zu verhalten haben. Das Radfahrer-ABC gibt hierfür Tipps und Ratschläge:


Abbiegen
  eines Radfahrers, ohne dies zuvor rechtzeitig und deutlich durch Handzeichen anzukündigen, ist besonders gefährlich und grob fahrlässig. Das Handzeichen kann insbesondere bei schwierigen Straßenverhältnissen (Straßenbahnschienen, Nässe, Schnee) kurz sein. Wer sich bereits auf einer Linksabbiegespur befindet, muss die Hand nicht ständig ausstrecken. Ein auf der Fahrbahn abbiegender Radfahrer muss immer an der rechten Seite eines in gleicher Richtung abbiegenden Fahrzeugs bleiben. Rechtsabbiegende Kraftfahrer müssen auf der Fahrbahn oder neben der Fahrbahn auf einem Radweg fahrende Radfahrer aus beiden Richtungen durchfahren lassen.


Beleuchtung  von Fahrrädern ist ein leidiges Thema. Das Problem ist, dass sich nur wenige an die Vorschriften halten. Vorgeschrieben ist ein von einem Dynamo betriebener weiß leuchtender Scheinwerfer vorn und eine entsprechend rote Schlussleuchte hinten. Die Lichtmaschine muss eine Leistung von 3 Watt und eine Spannung von 6 Volt aufweisen. Zudem ist vorn ein weißer Reflektor und hinten ein roter Rückstrahler vorgeschrieben. An den Rädern sind jeweils mindestens zwei gelbe Speichenrückstrahler anzubringen. Die Fahrradpedale müssen mit nach vorn und hinten wirkenden gelben Rückstrahlern ausgerüstet sein. Nur für Rennräder unter 11 kg ist für den Betrieb des Scheinwerfers und der Rückleuchte kein Dynamo vorgeschrieben. Statt dessen darf die Beleuchtung mit Batterien betrieben werden, die allerdings auch am Tage mitgeführt werden müssen.

D
Drogen
können wie Alkohol zu Fahruntüchtigkeit von Radfahrern führen. Radfahrer sollten berücksichtigen, dass selbst rezeptfreie Medikamente, wie Nasensprays, Hustensäfte oder Kopfschmerztabletten Nebenwirkungen entfalten können, welche die Fahrsicherheit beeinträchtigen.


Einbahnstraßen
dürfen auch von Radfahrern nur in der vorgeschriebenen Fahrtrichtung befahren werden, selbst wenn ein Radweg vorhanden ist. Radfahrer, die in die Gegenrichtung wollen, müssen ihr Fahrrad auf dem Gehweg schieben. Wer mit dem Fahrrad eine Einbahnstraße entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf dem Gehweg befährt und mit einem aus einer Einfahrt ausfahrenden PKW zusammenstößt, hat für den Schaden voll aufzukommen.


Fahrgeschwindigkeit
müssen auch Radfahrer den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen und ihren persönlichen Fähigkeiten anpassen. Sie dürfen nur so schnell fahren, dass sie ihr Fahrrad ständig beherrschen. Während eine durch Verkehrszeichen angeordnete Geschwindigkeitsbegrenzung, z.B. in einer Tempo-30-Zone, auch für Radfahrer gilt, ist die allgemein geltende Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften auf Kraftfahrzeuge beschränkt. Radfahrer dürfen deshalb innerhalb geschlossener Ortschaften auf abschüssigen Straßen theoretisch schneller als 50 km/h fahren, soweit sich nicht aus § 1 StVO etwas anderes ergibt.


Gehwege
müssen von Rad fahrenden Kindern bis zum vollendeten achten Lebensjahr benutzt werden. Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen sowohl den Gehweg als auch die Straße benutzen. Kinder in Begleitung Erwachsener dürfen auf der Fahrbahn fahren. Grundsätzlich ist von Radfahrern die Fahrbahn zu benutzen. Kollidiert ein verbotenerweise auf dem Gehweg fahrender erwachsener Radfahrer mit einem aus einer Einfahrt kommenden PKW, hat er grundsätzlich für den Schaden aufzukommen.


Haftung
für Verschulden ist ein Grundsatz, der vielen Radfahrern unbekannt ist. Er bedeutet, dass Radfahrer ab 10 Jahren für alle Schäden haften, die sie schuldhaft anderen zufügen. Selbst eine leicht fahrlässige Verletzung einer einfachen Verkehrsregel kann einen immensen Schaden zur Folge haben. Wer beispielsweise in einer verkehrsberuhigten Zone mit dem Mountainbike eine Rentnerin umfährt, die dann wegen eines Oberschenkelhalsbruchs zum Pflegefall wird, kann sich wirtschaftlich ruinieren. Der Abschluss einer Privathaftpflichtversicherung ist deshalb für Radfahrer eine zwingende Notwendigkeit.


Inliner
sind häufig auf Radwegen anzutreffen. Nach der Straßenverkehrsordnung sind Inliner keine "Fahrzeuge" sondern "Sonderfahrzeuge" und "Spielgeräte". Inline-Skater werden von der Rechtsprechung wie Fußgänger behandelt. Sie dürfen grundsätzlich weder auf der Fahrbahn noch auf dem Seitenstreifen noch auf Fahrradwegen fahren, sondern müssen den Gehweg benutzen! Nur wenn ein Gehweg fehlt, dürfen Inliner, ebenso wie Fußgänger, auf den Fahrbahnrand ausweichen. Es kann für Inline-Skater Haftungsprobleme geben, wenn sie auf einem Radweg mit einem Radfahrer kollidieren. Die Einordnung von Inline-Skatern als Fußgänger ist eine Regelung, die heute kaum noch zeitgemäß ist. Wegen der hohen möglichen Geschwindigkeiten stellen Inliner für Fußgänger auf dem Gehweg eine mögliche Gefahr dar. Deshalb sollten Inline-Skater auf Radwegen zugelassen werden.


Kinderfahrräder
  sind Fahrräder, die üblicherweise zum spielerischen Umherfahren im Vorschulalter verwendet werden. Sie sind, ebenso wie Roller, Kinderwagen und Schlitten keine Fahrzeuge im Sinne der Straßenverkehrsordnung. Als "Sonderfahrzeuge" unterliegen sie wie Inline-Skater, den Regeln für Fußgänger. In verkehrsberuhigten Bereichen haben Kinder auf Kinderfahrrädern Vorrang.


Linksabbieger
müssen entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen. Linksabbiegende Kraftfahrzeuge müssen auch Radfahrer durchfahren lassen, die auf einem links neben der Straße verlaufenden Radweg in gleicher Richtung fahren oder entgegenkommen. Radfahrer, die nach links abbiegen wollen, brauchen sich nicht einzuordnen, dürfen dies aber. Sie können auch die Fahrbahn hinter der Kreuzung oder Einmündung vom rechten Fahrbahnrand aus überqueren. Dabei müssen sie absteigen, wenn der Verkehr es erfordert.


Mitverschulden
  muss sich auch ein Radfahrer im Falle eines Unfalls anrechnen lassen.


Nebeneinanderfahren
von Radfahrern auf der Fahrbahn ist nur zulässig, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird. Wann dies der Fall ist, wird von den Gerichten nicht einheitlich beurteilt. Teilweise wird bereits eine Behinderung angenommen, wenn durch das Nebeneinanderfahren von Radfahrern das Überholen oder Ausweichen von Kraftfahrzeugen erschwert wird. Nur weil ein PKW wegen nebeneinander fahrender Radfahrer die Gegenfahrbahn ganz oder teilweise in Anspruch nehmen muss, wird das Nebeneinanderfahren von Radfahrern jedoch nicht als unzulässig anzusehen sein.


Ordnungswidrigkeiten
von Radfahrern werden nach Maßgabe des Bußgeldkatalogs geahndet. So kostet das Nichtbenutzen eines markierten Schutzstreifens oder eines gekennzeichneten Radwegs, falsches Abbiegen oder das Befahren eines Radwegs entgegen der zugelassenen Fahrtrichtung zwischen 10 und 25 EUR. Das Telefonieren mit Handys ist auch auf dem Fahrrad verboten. Das Bußgeld hierfür beträgt für Radfahrer 15 EUR.


Personenbeförderung
auf Fahrrädern ist nur eingeschränkt möglich: Auf Fahrrädern dürfen nur Kinder unter sieben Jahren von Personen mitgenommen werden, die mindestens 16 Jahre alt sind. Für die transportierten Kinder muss ein besonderer Sitz vorhanden sein. Außerdem muss durch besondere Vorrichtungen sichergestellt sein, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können.


Radwege
, die für die jeweilige Fahrtrichtung durch die Verkehrszeichen „Radfahrer“, „gemeinsamer Fuß- und Radweg“ und „getrennter Rad- und Fußweg“ gekennzeichnet sind, müssen in der vorgegebenen Richtung benutzt werden. Ist ein gekennzeichneter Radweg vorhanden, darf nur dann auf die Fahrbahn ausgewichen werden, wenn die Benutzung des Radweges unzumutbar ist, z. B. wegen Glasscherben, Vertiefungen, Schnee oder großer Pfützen. Ist kein Radweg vorhanden, müssen Radfahrer die Straße benutzen. Wer mit einem Kraftfahrzeug an oder verbotener Weise auf einem Radweg hält, muss vor dem Aussteigen prüfen, ob Radfahrer behindert oder gefährdet werden können. Beifahrer, die aussteigen wollen, müssen unter Umständen gewarnt werden.


Sicherheitsabstand
muss in verschiedensten Verkehrssituationen eingehalten werden. Von Kraftfahrern wird gegenüber Radfahrern ein seitlicher Sicherheitsabstand von 1,50 bis 2 Meter gefordert. Der seitliche Abstand muss bei erkennbaren Unsicherheiten der Radfahrer, gegenüber Kindern und Jugendlichen auf einem Fahrrad oder bei steigungs- oder witterungsbedingten Schwenkbewegungen der Radfahrer noch größer sein. Autofahrer dürfen Radfahrern nicht derart nahe kommen, dass diese erschreckt oder unsicher werden oder sich bedroht fühlen. Für das Überholen von Radfahrern untereinander gibt es keine festen Sicherheitsabstände. Radfahrer verstoßen nicht gegen das Rechtsfahrgebot, wenn sie zum Straßenrand einen Abstand von 0,8 bis 1 Meter einhalten. Radfahrer, die neben einem Parkstreifen fahren, müssen jederzeit damit rechen, dass Autotüren geöffnet werden. Zu parkenden Fahrzeugen wie zu Gehwegen neben der Fahrbahn wird Radfahrern ein Sicherheitsabstand von ca. einem Meter empfohlen.


Trunkenheit
im Verkehr ist auch für Radfahrer strafbar. Alkoholisierte Radfahrer riskieren ihren Führerschein und sogar ein "Radfahrverbot". Wer mit 1,6 Promille oder einer entsprechend hohen Atemalkoholkonzentration im öffentlichen Verkehr Rad fährt, wird bei der Fahrerlaubnisbehörde Zweifel daran aufkommen lassen, ob er überhaupt geeignet ist, im Straßenverkehr ein Fahrzeug sicher zu führen. Die Fahrerlaubnisbehörde kann deshalb zur Beseitigung dieser Zweifel ein medizinisch-psychologisches Gutachten (MPU), im Volksmund "Idiotentest" verlangen. Weigert sich der Betreffende, sich begutachten zu lassen oder besteht er die Prüfung nicht, wird die Behörde von einer Nichteignung ausgehen und die Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge entziehen. Außerdem kann sogar ein "Radfahrverbot" verhängt werden! (VG Neustadt, Beschluss vom 16.03.2005, zfs 2005, 367)


Überholen
dürfen Radfahrer unter Beachtung der allgemeinen Verkehrsregeln. Grundsätzlich ist links zu überholen. Dies gilt auch für Radfahrer untereinander. Fahrzeuge, die auf dem rechten Fahrstreifen warten, dürfen von Radfahrern mit mäßiger Geschwindigkeit und mit größter Vorsicht rechts überholt werden, wenn ausreichend Platz vorhanden ist. Es muss unter Umständen damit gerechnet werden, dass Türen geöffnet werden oder dass Fußgänger zwischen den wartenden Fahrzeugen auftauchen.


Vorfahrtsregeln
gelten natürlich auch für Radfahrer. Das Vorfahrtsrecht erstreckt sich auf die gesamte Straßenbreite und gilt unabhängig davon, ob der Vorfahrtsberechtigte sich verkehrsgerecht verhält. Vorfahrt hat deshalb auch ein Radfahrer, der auf einer Vorfahrtsstraße einen Radweg in falscher Richtung befährt und mit einem PKW kollidiert, der aus einer wartepflichtigen Straße oder aus einer Ausfahrt kommt. Trotz Vorfahrt muss der Radfahrer sich ein Mitverschulden anrechnen lassen und mit einer Haftungsquote von 2/3 zu seinen Ungunsten rechnen. Selbstverständlich hat der Kraftfahrer das Vorfahrtrecht eines Radfahrers zu beachten, der aus einer von rechts einmündenden Einbahnstraße herauskommt, die in dieser Richtung nur für Radfahrer freigegeben wurde. Wer eine nach links abknickende Vorfahrtsstraße geradeaus fahrend verlässt, biegt im Rechtssinne ab. Er muss deshalb einem auf der abknickenden Vorfahrtsstraße nach links weiter fahrenden Radfahrer Vorrang gewähren.


Wechsellichtzeichen an Verkehrsampeln
gelten selbstverständlich auch für Radfahrer. Schaltet eine durch Druckschalter zu betätigende Ampel wegen eines Defekts nicht auf "grün" um, darf die Straße nach angemessener Wartezeit auch bei "rot" überquert werden. Radfahrer haben die Lichtzeichen für Fußgänger zu beachten, wenn ein Radweg neben einem Fußweg verläuft und keine gesonderten Lichtzeichen für Radfahrer vorhanden sind.


Zebrastreifen
und Fußgängerüberwege dürfen auf dem Fahrrad überquert werden. Fußgängern gebührt jedoch der unbedingte Vorrang. Kommt es zwischen einem Radfahrer und einem Fußgänger auf dem Fußgängerüberweg zu einer Kollision, wird meist alleinige Haftung des Radfahrers in Betracht kommen.

Autor: Rechtsanwalt Dr. Klaus van der Velden
           20.10.2005

Stichwort: Radfahrer

 

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