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Beerdigung - Rechte und Pflichten der Angehörigen

Erbrecht
Erbe
wird, wer aufgrund gesetzlicher Erbfolge  oder wegen eines Testaments Erbe wird.

Totenfürsorgerecht
ist das Recht, den Ort der letzten Ruhestätte und die Einzelheiten der Beerdigung zu regeln. In erster Linie ist dies die Angelegenheit des Verstorbenen, der dieses z.B. durch den Erwerb einer letzten Ruhestätte und Abschluß eines Bestattungsvertrages mit einem Bestattungsinstitut selbst ausübt oder in einem Testament entsprechende Anordnungen trifft.

Anordnungen können aber auch, am besten schriftlich, außerhalb eines Testaments getroffen werden indem man einen Verwandten oder Freund beauftragt.

Sind vom Verstorbenen keine Anordnungen ergangen, liegt das Recht der Totenfürsorge bei den nächsten Angehörigen und innerhalb derer besteht folgende Rangfolge: Ehegatte/Eingetragener gleichgeschlechtlicher Lebenspartner - Kinder - Eltern - Geschwister - Nichten/ Neffen. Sind sich die z.B. mehrere Kinder uneinig, so gilt nicht etwa der Wille der Mehrheit, vielmehr ist der Verstorbene dann in "ortsüblicher Weise" (s.u.) zu bestatten.

Diese Rangfolge gilt auch, wenn die Angehörigen nicht Erbe werden, jedoch liegt die Vermutung nahe, dass bei einem Testament zugunsten anderer Personen diese dann auch das Totenfürsorgerecht haben sollen.

Tipp: Sollen nicht die nächsten Angehörigen das Totenfürsorgerecht haben, so sollte dies unbedingt klar und deutlich geregelt sein um Streit über eine Beerdigung zu vermeiden!

Bestattungspflicht
Da jede menschliche Leiche bestattet werden muss besteht ein gesetzlicher Bestattungszwang. Grundsätzlich trifft diese Pflicht die nächsten Angehörigen, sind diese jedoch unbekannt, übernimmt dies die jeweilige Gemeinde bzw. Stadt.

Wer muss die Beerdigung bezahlen?
Zunächst hat der Erbe die Kosten einer standesgemäßen Beerdigung zu zahlen. Diese Kosten werden dem Nachlaß entnommen.

Standesgemäß sind Beerdigungen,  die dem sozialen Status des Verstorbenen entsprechen, der Üblichkeit in den Kreisen des Verstorbenen, dem örtlichen Brauch, den Verhältnissen, der Leistungsfähigkeit des Nachlasses und der Erben. Es gibt dabei keinen Brauch, dass diese Kosten nicht höher als der Nachlaß sein dürfen!

Hat ein Totenfürsorgeberechtigter der nicht Erbe ist die standesgemäßen Beerdigungskosten bezahlt, kann er diese vom Erben zurückverlangen. Ist der Erbe nicht solvent oder hat z.B. ausgeschlagen müssen die Kosten von den gesetzlich Unterhaltsverpflichteten übernommen werden, also  Ehegatte oder Eltern oder Kinder des Verstorbenen.

In der Praxis werden die Kosten zunächst von der Stadt oder Gemeinde übernommen, die sich dann an die Angehörigen wendet. Diese müssen aber nur dann die Beerdigung zahlen, wenn dies für sie nicht grob unbillig ist, insbesondere wenn der Nachlaß des Verstorbenen nicht ausreicht und sie selbst mittellos sind. In diesem Fall haben Angehörige sogar ein Recht darauf, dass die Kosten vom Sozialhilfeträger (Landkreise/kreisfreie Städte) übernommen werden. Sind die Angehörigen aber selbst vermögend, müssen sei auch bei einem verschuldeten Nachlaß die Kosten der Beerdigung übernehmen.

Wenn der Sozialhilfeträger die Kosten übernimmt, bleibt die Durchführung der Beerdigung, die Totenfürsorge Sache der Angehörigen. Aber aufgepasst: Der Sozialhilfeträger übernimmt nur die Kosten einer ortsüblichen Beerdigung. Hierzu zählen in der Regel:
Leichenschau, Leichenbeförderung, Leichengebühren, Waschen, Kleiden und Einsargen der Leiche, Sargträger, Totengräber, Erwerb des Grabplatzes, einfaches Grabkreuz, Urne, Benutzung des Leichenhauses, Sarg, Grabeinfassung, Erstbepflanzung des Grabes, ortsüblicher Grabschmuck  und Verständigung der nächsten Angehörigen.

Keine Kostenübernahme erfolgt dagegen in aller Regel für:
Überführungskosten, Leichenschmaus, Exhumierung, Grabmal, Trauerkleidung der Angehörigen, Todesanzeigen, Reisekosten von Angehörigen, Kosten einer teureren Feuerbestattung gegenüber einer Erdbestattung.

Rechtsanwalt Jan Bittler

Schlagworte: Beerdigung - Bestatung - Beerdigungskosten -Kosten - Grab - Erben - Erbschaft - Erbrecht - Recht -Testament

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