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Kosten im Erbfall
Wer bei der Testamentserstellung anwaltliche oder notarielle Hilfe in Anspruch nimmt, den erwartet neben dem juristischen Rat auch eine Gebührenrechnung. Und auch Erbstreitigkeiten vor Gericht kosten Geld.

Übersicht über verschiedene Gebühren:

Auszug aus der Kostenordnung:

Übersicht über mögliche Gebühren bei Erstellung eines notariellen Testaments:

  • Notarielles Einzeltestament 1/1 Gebühr
  • Erstellung eines Erbvertrages oder gemeinschaftlichen Testaments 2/1 Gebühr
  • Widerruf eines gemeinschaftlichen Testaments oder Aufhebung eines Erbvertrages 1/2 Gebühr
  • Anfechtung oder Rücktritt vom Erbvertrag 1/2 Gebühr
  • Beurkundung eines Erbverzichts 2/1 Gebühr

Übersicht über die Gebühren des Nachlassgerichts:

  • Hinterlegungsgebühr 1/4 Gebühr
  • Testamentseröffnungsgebühr 1/2 Gebühr
  • Erteilung eines Erbscheins 1/1 Gebühr
  • Anordnung/Aufhebung einer Nachlasspflegschaft 1/4 Gebühr

Beispiel:
Die Eheleute Michel lassen ein notarielles Testament anfertigen und geben an, dass jeder ein Vermögen von rund 125.000 € hat, beide zusammen also 250.000 € haben. Hierbei entstehen nach der Kostenordnung 20/10 Gebühren für die Anfertigung des Ehegattentestaments und damit in Höhe von 864 € sowie für die Hinterlegung 1/4 Gebühr in Höhe von 108 €. Einschließlich Mehrwertsteuer kostet das notarielle Testament die Eheleute 1.127,52 € (zuzüglich Schreibauslagen in Höhe von 0,50 €/Seite und Postgebühren wie tatsächlich angefallen).

Für den Fall, dass einer der Eheleute das Testament widerrufen würde, weil er es nicht mehr gelten lassen will, würde 1/2 Gebühr in Höhe von 216 € zuzüglich Mehrwertsteuer, mithin in Höhe von 250,56 € entstehen.

Ist in dem Testament vorgesehen, dass die Eheleute jeweils Alleinerben des anderen werden, so bemisst sich die Gebühr im Erbfall des Ehegatten nach dem Wert von 125.000 €. Die Gebühr für eine Testamentseröffnung beträgt 1/2. Diese kostet mithin 113,40 € zuzüglich 16 % MwSt., also 131,54 €. Der Erbschein selbst kostet 226,80 € zuzüglich MwSt., also 263,08 €.
Aus der nachfolgenden Übersicht über die Kostenordnung können Sie entnehmen, wie hoch eine volle Notargebühr bei welchem Geschäftswert ist. Als Geschäftswert wird in aller Regel der Wert Ihres Vermögens zum Zeitpunkt der Testaments- oder Vertragserrichtung herangezogen.

Beispiel:
Hat der Testamentserrichter ein Vermögen von 100.000 €, so beträgt der Geschäftswert 100.000 € und damit eine volle Gebühr z.B. bei einem Einzeltestament 207 €.

Übersicht über die Kostenordnung

Anwaltsgebühren:

Die Rechtsanwaltsgebühren nach dem Rechtsanwaltvergütungsgesetz, RVG, sind ähnlich denen der Kostenordnung aufgebaut, enthalten aber in der Regel höhere Sätze. Im Gegensatz zu Notaren ist es Rechtsanwälten jedoch erlaubt, Gebührenvereinbarungen mit Mandanten in Testaments- und Vertragsfragen abzuschließen.

Grundsätzlich fallen bei Gerichtsverfahren Anwalts- und Gerichtsgebühren an. Als Streitwert wird dabei die Summe herangezogen, die im Prozess eingeklagt wird.

Beispiel: Wird ein Pflichtteil in Höhe von 100.000 € gerichtlich eingeklagt, so muss der Kläger in der ersten Instanz zunächst 2.568 € Gerichtskosten zusammen mit der Klage einreichen. Die unterlegene Partei zahlt alle Kosten, so dass das Gesamtkostenrisiko inklusive der Gebühren für die beteiligten Rechtsanwälte in der ersten Instanz mindestens 10.467,60 € für den Verlierer beträgt.

Es steht Ihnen frei, sich durch einen Rechtsanwalt oder Notar beraten zu lassen – wichtig ist für Sie, dass Ihr juristischer Berater ein Spezialist auf seinem Rechtsgebiet ist.

Stichworte: Kosten, Prozeßkosten, Gebühren, Kostenordnung, Rechtsanwaltsvergütungsgesetz

Autor: Jan Bittler
           Rechtsanwalt, Fachanwalt für Erbrecht
           Kontakt: Bittler@Erbrecht.de
           02.05.2006

 

Wichtiger Hinweis:

Das abc-Recht-Portal  wird derzeit in Gänze überarbeitet. Auch die Inhalte dieser Seite, wie die aller Folgeseiten, sollen in Kürze aktualisiert werden. Die hier angebotenen Informationen entsprechen möglicherweise nicht mehr dem aktuellen Stand von Gesetzgebung und Rechtsprechung. Wir bitten, dies zu berück-
sichtigen und insofern auch um Ihr Verständnis.