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Architekt haftet für technische und wirtschaftliche Planungsfehler

Mängel der Architektenleistung können zu erheblichen Schäden an Bauwerken führen und damit für den Bauherrn Kosten zur Folge haben. In der Praxis sind es meist Fehler während der Planungsphase und Überwachungsfehler bei der Bauausführung, die zu Auseinandersetzung mit dem Architekten führen.

Dabei können Planungsfehler sowohl in technischer Hinsicht als auch im wirtschaftlichen Bereich auftreten. Planungsfehler in technischer Hinsicht liegen beispielsweise in folgenden Fällen vor:

  • unzureichende oder gar fehlende Schall- und/oder Wärmedämmung, fehlerhafte Konstruktion eines Flachdachs,
  • ungenügend ausgebildete Dehnfugen,
  • falsche Wohnflächenberechnung.

Als Beispiele für Planungsfehler im wirtschaftlichen Bereich können folgende Fälle dienen:

  • das mit dem Bauherrn vereinbarte Kostenlimit bzw. die vorgegebene Bausumme wird nicht eingehalten,
  • Fehler bei der Kostenermittlung.

Auch für Fehler bei der Überwachung der Bauausführung muss der Architekt einstehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Architekt auch als Bauleiter tätig wird. Anerkannt ist, dass vom Architekten keine ständige Anwesenheit der Baustelle verlangt werden kann. Insbesondere bei einfachen und gängigen Arbeiten ist es ausreichend, wenn er sich in regelmäßigen Abständen durch Kontrollen von der ordnungsgemäßen Ausführung der Arbeiten überzeugt. Außerdem muss er überprüfen, ob von ihm erteilte Anweisungen auch tatsächlich befolgt werden. Bei besonders wichtigen oder kritischen Baumaßnahmen werden jedoch erhöhte Anforderungen an die Überwachungstätigkeit gestellt. Insoweit sind hier für den Architekten auch die Haftungsrisiken höher. Dies gilt beispielsweise für die Anbringung von Beton- oder Stahlbetonteilen. Hier muss der Architekt nicht nur die Qualität des Betons, sondern auch die Qualität der zur Bewehrung verwendeten Stahlmatten besonders intensiv überwachen.

Bei der Durchsetzung von Ansprüchen wegen mangelhafter Architektenleistungen sollten Sie möglichst frühzeitig anwaltlichen Rat einholen. Die Erfahrung zeigt, dass viele Bauherren durch rechtlich irrelevante Korrespondenz wertvolle Zeit verlieren. Nicht selten werden dabei wichtige Fristen versäumt. Mit Hilfe eines Anwalts sollte ebenfalls geklärt werden, ob überhaupt ein Architektenfehler vorliegt. Nicht selten kommen auch Fehlern von Handwerkern hinzu. In derartigen Fällen gilt es rechtzeitig zu klären, gegen wen Ansprüche geltend gemacht werden.

Wollen Sie Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Architekten geltend machen, so haben Sie zunächst Anspruch auf Nacherfüllung. Dies gilt jedenfalls dann, wenn sich der Planungsfehler noch nicht im Bau realisiert hat. Was die Nacherfüllung anbelangt, so hat der Architekt allerdings ein Wahlrecht. Er kann zwischen Nachbesserung und Neuherstellung wählen. Für welche der beiden Möglichkeiten er sich entscheidet, steht ihm frei. Kommt er seiner Verpflichtung zur Nacherfüllung nicht nach, stehen dem Bauherrn weitergehende Ansprüche zu. Es handelt sich dabei um das Recht zur Selbstvornahme, den Rücktritt vom Vertrag, die Minderung sowie unter Umständen den Anspruch auf Schadensersatz.

Bevor Sie diese Ansprüche geltend machen, müssen Sie jedoch zunächst den Architekten in Verzug setzen. Dies geschieht am besten in Form eines Schreibens, in dem der Architekt unter Fristsetzung zur Nacherfüllung aufgefordert wird. In diesem Schreiben müssen die Punkte, deren Nachbesserung Sie vom Architekt erwarten, detailliert aufgelistet sein. Erst dann, wenn die von Ihnen gesetzte (angemessene) Frist erfolglos verstrichen ist, können Sie zwischen Selbstvornahme, Rücktritt und Minderung wählen.

Autor: Dr. Otto Bretzinger
           Jurist und Journalist
           10. Mai 2004

 

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